Raus aus der Komfortzone!

Wie beim Militär!

Wenn wir an Konflikte denken, geht es um "Sieg" oder "Niederlage": "Gewinnen" oder "Verlieren". Wir legen uns eine „Taktik“ zurecht, eine „Strategie“, wir sammeln unsere „Truppen“, suchen „Verbündete“, rechnen mit „Überraschungsangriffen“ und „Hinterhalten“ usw.

Wenn wir uns dieses Vokabular so anschauen, dann erkennen wir gleich: hier sprechen die Militärs.

Wir verwechseln Konflikt mit Krieg. Und das ist ein Problem. Denn jeder Krieg ist zwar ein Konflikt, aber nicht jeder Konflikt mündet in einen Krieg.

Wenn wir uns aber so verhalten, als zögen wir in einen Krieg, dann sieht das auch die andere Seite. Was meinen Sie, was dort passiert? Sieht man uns tatenlos zu? Oder rüstet man auch auf der Gegenseite munter auf?

Und was löst das wiederum bei Ihnen aus? Sie sagen sich vielleicht: Wusste ich es doch! Die andere Seite will den Krieg. Gut, dass ich mich so gut vorbereitet habe!

Ein anderes Szenario wäre, dass wir aus Angst vor einer kriegerischen Eskalation kleinbeigeben. Wir wollen Frieden um jeden Preis.

Auch das kann schiefgehen. Nur weil wir ein Problem ignorieren, geht es nicht weg. Es besteht vielmehr die große Gefahr, dass es wächst, größer wird und uns immer wieder Probleme macht. Solange, bis wir nicht mehr schaffen, es zu ignorieren oder zu tolerieren.

Der Grund für diese falschen Herangehensweisen ist, dass wir eine falsche Vorstellung von Konflikten haben.

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Dann freue ich mich auf Ihre Nachricht!

Jenseits von Krieg und Frieden

Wir glauben, es gibt nur Krieg oder Frieden.

Das ist aber falsch.

In Wahrheit gibt es nicht zwei Zonen, sondern drei. Und die Namen dieser Zonen kennen Sie vielleicht:

Es sind die Komfortzone, die Wachstumszone und die Panikzone.

Dieses Konzept gilt für ganz viele Fälle des menschlichen Verhaltens. Letztlich will es uns sagen, dass wir uns nur in der Wachstumszone wirklich weiterentwickeln können.

Übertragen auf Konflikte bedeutet das:

In der Komfortzone versuchen wir den Konflikt zu vermeiden oder auszusitzen. Wir stellen uns der Auseinandersetzung einfach nicht. Wir geben klein bei, ignorieren den Konflikt oder laufen davon. Wir scheuen die Herausforderung, für unsere Interessen wirklich einzustehen oder dem anderen eine klare Ansage zu machen. Dass wir anderer Meinung sind oder dass er unsere Gefühle und Bedürfnisse verletzt hat.

In der Panikzone befinden wir in einem heißen Konflikt. Es fliegen die Fetzen. Wir kämpfen um Sieg oder Niederlage – und die Angst vor der Niederlage versetzt uns in Panik. Und wir befürchten einen Verlust. Denn unsere Erfahrungen lehren uns, dass aggressiv ausgetragene Konflikte dazu führen können, dass die Beziehung zu unserem Konfliktgegner leidet. Es kann sein, dass nach dem Streit nichts mehr so ist wie vorher. Auch wenn diese Angst Gott sei Dank oft unbegründet ist, weil wir uns auch immer wieder vergeben und verzeihen, weist sie doch in die richtige Richtung. Es fühlt sich falsch an, die eigenen Interessen gegen den Willen des anderen durchzusetzen, sie ihm abzutrotzen oder ihn dazu zu zwingen. Eigentlich sehnen wir uns doch nach Harmonie und danach, dass wir es auch ohne Streit, Kampf und Zerstörung schaffen, das zu erreichen, was uns wirklich wichtig ist.

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In der Wachstumszone

Wenn Sie meinen Blog schon länger lesen, dann wissen Sie schon: das geht.

Und zwar in der Wachstumszone.

Es ist möglich, auf besonnene, strukturierte und wertschätzende Weise Konflikte zu bearbeiten und zu lösen.

In dieser Wachstumszone ist der andere nicht mehr der Feind, sondern mehr oder weniger ein Partner, jemand, dessen Mitwirkung ich benötige, damit sich ein Konflikt auflösen kann.

Sagen wir, etwas am Verhalten eines Menschen, mit dem wir regelmäßig zu tun haben, stört uns. Wir könnten dieses Verhalten natürlich ignorieren. Klar. Aber was passiert dann? Wir werden uns vermutlich weiter darüber ärgern.

Das Problem: Der andere weiß das nicht! Was er allerdings bemerkt, ist eine - für ihn möglichweise erst einmal unerklärliche - Verhaltensänderung bei uns. Wir wirken auf den anderen mehr und mehr reserviert. Etwas scheint nicht zu stimmen. Aber was nur? Diese Unsicherheit kann die Beziehung sehr belasten. Sie kann sich dadurch deutlich abkühlen und verschlechtern.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass wir zum Angriff übergehen! Vielleicht aus einem Impuls heraus. Zum Beispiel dann, wenn wir schon sehr lange gewartet haben, ehe wir das Problem ansprechen. Der innere Druck und unsere Empörung haben sich mit der Zeit soweit gesteigert, dass wir sie nicht mehr zurückhalten können. Dann platzt plötzlich und ganz unvermittelt ein ganzer Schwall wüster Vorwürfe aus uns heraus. Der andere ist vor den Kopf gestoßen. Er fühlt sich überrumpelt, vielleicht sogar verletzt. Er hält unseren Angriff für vollkommen unangemessen und übertrieben. Deswegen wird es sich gegen ihn zur Wehr setzen. Und Bums – haben wir einen heißen Streit.

Und wir Konfliktmuffel denken und: Ich hatte es doch gewusst! Konflikte sind Mist!

Dabei ist es nicht der zugrundeliegende Konflikt, der die Eskalation herbeiführt. Es ist unsere Reaktion!

 

Was wir übersehen!

Um im Bild der Politik zu bleiben: Zwischen Krieg und Frieden gibt es eine weitere kleine, aber feine Zone: Die der Verhandlung, der Diplomatie, des „Drüber-redens".

Stellen Sie sich vor, sie sagen der Person, deren Verhalten Sie stört etwa Folgendes:

„Ich mag, Dich, Du bist mir wichtig. Deswegen muss ich mal mit Dir reden. Du hast in der letzten Zeit dieses oder jenes Verhalten gezeigt. Ehrlich gesagt hat mich das verletzt, geärgert, gekränkt. Und ich befürchte, dass sich das auf unsere Beziehung auswirkt.  Das wäre mir gar nicht recht, denn unsere Beziehung ist mir sehr, sehr wichtig.“

Wie hört sich das an? Wie ein Angriff? Doch wohl eher nicht.

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Mut ist Handeln trotz Angst, nicht ohne Angst!

Zugegeben: Es kostet Mut so etwas zu sagen.

Mehr Mut, als davonzulaufen. Und sicherlich auch mehr Mut, als so lange zu warten, bis der Druck in unserem inneren Kessel so hoch ist, dass wir ihn nicht mehr kontrollieren können, und unser Wut ungehemmt aus uns herausplatzt.

Aber ist es gefährlich, so etwas zu sagen? Ich glaube nicht.

Natürlich müssen wir die Worte der Situation in angemessener Weise anpassen. Wir reden mit unserem Chef anders als mit unserem Partner. Aber das Prinzip ist das gleiche. Wir sprechen von uns, und davon, was uns wirklich wichtig ist.

Wenn Sie eine Einleitung wie diese wählen, dann bereiten Sie den Boden für eine einvernehmliche Konfliktlösung UND Sie eröffnen sich die Chance, dass nicht nur Sie wachsen, sondern auch die Beziehung zu dem anderen und damit der andere gleich mit.

Klingt das verlockend für Sie?

Dann versuchen Sie es! Sie werden sehen, es lohnt sich.

 

München 2018

Foto von Rex Pickar gefunden auf Unsplash

 

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