Schlüssel zur Lösung – Vom Was zum Warum

Die Wehranlage der Positionen

In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Mediation es ermöglicht durch den Wechsel der Perspektive Konflikte zu lösen. Denn hier liegt der Dreh- und Angelpunkt dieser Methode: Sie lässt uns Konflikte aus einem völlig neuen Blickwinkel wahrnehmen.

Wenn wir in Konflikten stecken, dann wissen wir in der Regel schnell sehr genau, was wir wollen und was wir nicht wollen. Das geht so schnell, dass wir es fast gar nicht bemerkten. Wir formulieren innerlich Forderungen, von denen wir dann nicht mehr abzurücken bereit sind. Wir beziehen Positionen. Und wie in einem Krieg verteidigen wir diese Positionen, wenn es hart auf hart geht mit allen Mitteln. Denn für jede Seite ist sonnenklar: Ich habe Recht, Du hast Unrecht.

Weil aber beide Seiten sich dabei genau gleich verhalten, prallen im Konflikt zwei miteinander unvereinbare Positionen aufeinander. Und wir hoffen, dass wir unsere Position nur hart genug gegen die Positionen unserer Konfliktpartner krachen lassen müssen, bis sie dann irgendwann endlich Risse bekommen und in sich zusammenbrechen werden. Was passiert, ist aber oft genau das Gegenteil. Die Fronten verhärten sich zunehmend und der Konflikt droht zu eskalieren.

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Mediation geht einen anderen Weg.

Positionen leiten sich aus unseren Interessen und Motiven ab. Diese Interessen beschreiben, warum wir etwas wollen. Wir sind es gewohnt im Konflikt zu kämpfen. Also bauen wir Wehranlagen. Diese Wehranlagen sind unsere Positionen und Forderungen. Sie formulieren, was wir nicht das, was wir wirklich und eigentlich wollen, sondern sie liefern Gründe und Argumente, warum es richtig und sinnvoll ist, dass das was wir wollen auch passiert.

Ein Beispiel: Zwei Freunde sind sich uneins, wo ein gemeinsamer Urlaub verbracht werden soll, am Meer oder in den Bergen.

Die Positionen sind könnten sein: Ich will nicht ans Meer, dort ist es voll, heiß, laut usw. Der andere sagt: Ich will nicht in die Berge. Berge sind steil und es wird dort öfter regnen als am Meer.

Über diese Positionen kann man sehr lange streiten, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Denn sie überzeugen, den anderen nicht.

Das liegt daran, dass sie letztlich nur vorgeschoben sind. Positionen schützen, was hinter ihnen liegt. Das worum es uns eigentlich geht. Unsere Interessen und Bedürfnisse.

So hat der eine vielleicht Höhenangst und geht deswegen nicht gern auf Berge.

Der andere kann vielleicht nicht gut schwimmen und schämt sich deswegen.

Bei Positionen geht es also um das Was, bei Interessen um das Warum. Und nur auf dem Ebene des "Warum" ist eine echte Lösung möglich.

In der Mediation  geht es nun genau darum. Sie versucht das Warum jenseits der Positionen zu erforschen.

Das klingt so erst einmal recht einfach. Leider ist es das aber oft nicht. Wir sind es so sehr gewohnt, auf der Ebene der Positionen zu streiten, dass es uns schwerfällt, sie loszulassen. Manchmal steht uns diese Verbissenheit in eine Position sogar soweit im Wege, dass wir eine gute Lösung nur deswegen ablehnen, weil wir damit eine Position räumen müssten. Sie ist dann zum reinen Selbstzweck geworden. Und es entwickelt sich ein Konflikt, bei welchem die Beteiligten am Ende nicht mehr wissen, wie der Streit eigentlich angefangen hat.

Oben haben wir gesagt, betrachten wir nur die Postionen, dann scheint es für den Konflikt oft keine Lösung zu geben. Das entspricht zwar unserer Erfahrung, ist aber trotzdem oft falsch. Der Mediator weiß: In vielen Konflikten, um nicht zu sagen in den allermeisten, scheinen die Konflikte vielmehr nur unvereinbar. Sie sind es aber nicht.

Dazu ist es nötig, sich zu öffnen. Im Beispiel müssen wir das Gegenüber ins Vertrauen ziehen. Das ist nicht leicht. Manchmal gelingt es uns dennoch ohne Unterstützung von und wir finden eine Lösung. Das gelingt häufig dann, wenn der Konflikt sich noch in einem milden Stadium befindet und noch nicht eskaliert ist.

Oft schaffen wir das aber nicht. Dann kann ein Mediator helfen. Seine Aufgabe ist es, gemeinsam mit uns die Positionen zu verlassen und zu erforschen, warum wir etwas wollen. Das geht oft nur schrittweise, denn die Beteiligten müssen erst Vertrauen entwickeln und sich vor allem von alten Verhaltensmustern trennen.

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Der - gar nicht so - geheime Schlüssel

Aber wenn es gelingt, dann passiert Überraschendes. Wenn wir verstehen, warum eine Person etwas will, fällt es uns plötzlich viel leichter Verständnis für sie zu entwickeln. Plötzlich können wir nachvollziehen, was die andere Seite bewegt und was sie dazu gebracht hat, dieses oder jenes zu fordern. Es wird uns klar, dass diese Motive ebenso legitim sind, wie unsere eigenen. Diese Einsicht macht den Weg frei für Lösungen.

Vorher war die andere Konfliktpartei ein Gegner, der sich im besten Fall auf einem Irrweg befand, in der Regel aber von eigennützigen, niederen oder weniger wichtigen Motiven getrieben wurde, während wir selbst für eine gerechte Sache (wenn auch im eigenen Interesse) kämpften. Dieses Schwarz-weiß-Bild löst die Mediation auf. Gegenseitiges Verständnis wird möglich und die andere Partei kann statt als Konfliktgegner als Konfliktpartner wahrgenommen werden. Und mit diesem neu gewonnenen Partner können wir dann auf den gemeinsamen  Weg machen, um nach Lösungen zu suchen und sie zu finden. 

Das gegenseitige Verständnis ist der Schlüssel dazu.

 

Aktualisiert 2018

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