Runder Tisch, Konflikt und Kosten

Konflikte sind unausweichlich

Im Zusammenhang mit Konflikten stellen wir uns aus meiner Sicht oft nicht die richtigen Fragen. Eine solche „falsche“ Frage ist z.B.: „Wie können wir Konflikte vermeiden?“

Konflikte kann man aber nicht vermeiden. Sie treten unweigerlich auf. Und zwar überall dort, wo Menschen aufeinander treffen und damit auch – oder vielleicht gerade - überall da, wo sie miteinander arbeiten.

Die Frage ist also nicht: wie lassen sich Konflikte vermeiden, sondern wie gehen wir mit ihnen um.

In der Praxis lassen sich allerdings auch in Unternehmen oft Strategien im Umgang mit Konflikten beobachten, die nicht immer sinnvoll sind. Leider. Denn ignorierte Konflikte verschwinden nicht einfach, sondern sie gewinnen dadurch oft erst recht an Fahrt.

Wenn Konflikte unvermeidlich sind, sollten sich Organisationen, die sich auch sonst um Professionalität bemühen, in professioneller Weise auch mit den Themen Konflikt und Konfliktmanagement widmen.

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Kostenfalle Konflikt

Und dass dieser professionelle Umgang weit mehr ist als eine Liebhaberei, zeigen in eindrucksvoller Weise die Ergebnisse einer Befragung von Beschäftigten, die im Rahmen des CCP Global Human Capital Reports (1) veröffentlicht wurden:

25% aller Mitarbeiter führen eigene Erkrankungen und Ausfallzeiten auf Konflikte am Arbeitsplatz zurück. 70 % halten Konfliktkompetenz für eine entscheiden wichtige oder sehr wichtige Kompetenz von Führungskräften. Gleichzeitig halten über die Hälfte der Beschäftigten ihre Vorgesetzten in diesem Bereich für nicht ausreichend kompetent.

Schon diese Ergebnisse sind alarmierend. Das Bild verschärft sich, wenn man die Kostenseite betrachtet. Die o.g. Studie ergab, dass Mitarbeiter in deutschen Unternehmen pro Woche für im Durchschnitt 3,3 Stunden ihrer Arbeitszeit für den Umgang mit Konflikten am Arbeitsplatz aufwenden. Deutschland ist hier Schlusslicht im internationalen Vergleich. In unseren Nachbarländern Belgien und den Niederlanden sind es 1,2 bzw. nur 0,9 Stunden pro Woche.

Diese Zahlen klingen erst einmal nicht dramatisch. Rechnet man das aber auf alle Beschäftigten in Deutschland um, dann verursachen Konflikte am Arbeitsplatz aber allein Lohn und Gehaltskosten in Höhe von 2 Milliarden Euro. Oder in Zeit ausgedrückt 13 Mio. Arbeitstage (2).

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Runde Tische - Wirtschaft und öffentliche Organisationen reagieren

Angesichts dieser Dimensionen ist es nicht verwunderlich, dass deutsche Unternehmen aktiv geworden sind, um dieses Thema in Angriff zu nehmen und die damit verbundenen Kosten in den Griff zu bekommen. In Kooperation mit dem Institut für Konfliktmanagement der Europa-Universität Viadrina hat sie einen Runden Tisch Mediation und Konfliktmanagement eingerichtet. Diesem Tisch gehören inzwischen namhafte Unternehmen an wie Siemens, SAP, die Deutsche Bahn, Audi, die Telekom und viele weitere. Ziel dieses Runden Tisches ist es, Methoden und Prinzipien zu erarbeiten, um mit Konflikten in aber auch zwischen Unternehmen besser umgehen zu können und insbesondere die Mediation und andere alternative Konfliktlösungsverfahren einzuführen.

Bemerkenswert ist, dass sich hier Unternehmen zusammengeschlossen haben, um gemeinsam und auf Augenhöhe miteinander und voneinander zu lernen und in Austausch zu treten, und das ohne externe Berater hinzuzuziehen. Das zeigt, dass die beteiligten Unternehmen verstanden haben, dass Konfliktmanagement echte und unmittelbare Führungsaufgabe ist und die Konfliktkultur eines Unternehmens ein zentraler Bestandteil seiner Unternehmenskultur. Keines von beiden lässt sich delegieren.

Diesem Beispiel erfreulichen Beispiel folgend haben inzwischen auch öffentliche Organisationen einen ähnlichen Runden Tisch einrichtet. Wie bei der Industrie ist es Ziel, Konflikte auch im öffentlichen Dienst professionell und systematisch zu managen und zu bearbeiten. Dem Runden Tisch der öffentlichen Organisationen gehören so unterschiedliche Einrichtungen an wie das niedersächsische Justizministerium, die Städte München und Kerpen, die Europa-Universität Viadrina, die Polizei Baden-Württemberg, die Universitätskliniken Hamburg, Tübingen, Würzburg und Mannheim an. Man darf gespannt sein, ob dieser Tisch sich in Zukunft eines ähnlichen Zulaufs erfreuen wird, wie der der Wirtschaft.

Für andere Organisationen, wie etwa Verbände hat sich noch keine vergleichbare Einrichtung etabliert – auch wenn das aus vielerlei Gründen sinnvoll erscheint.

 

Literatur und Quellen

1) Workplace Conflict – and how businesses can harness it to thrive, CPP Global Human Capital Report, Juli 2008
2) Berechnungen:
31,4 Mio soz.vers.pfl. Beschäftigtea * 20,00 Ø Bruttostundenlohnb * 3,3 h < 2 Mrd
bzw.
31,4 Mio Beschäftigte * 3,3 h / 8 h durchschnittliche tägliche Arbeitszeit = 13 Mio Tage

a) Beschäftigungsstatistik der Bundesanstalt für Arbeit, Juli 2016
b) Durchschnittsbruttoeinkommen: Statistisches Bundesamt, 2015
c) durchschnittliche Netto Arbeitzeit: 1.656 h p.a., Quelle: Eurofundstudies

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