Konfliktreflexe: Angriff, Totstellen und Flucht

Strategien & Reflexe

Konflikte sind eigenartig. Die nettesten Leute können sich in Monster verwandeln, wenn sie in Konflikte geraten. Warum ist das so?

Konflikte versetzen uns in emotionalen Stress. Und wenn wir in emotionalen Stress geraten, schaltet unser Gehirn auf Not-Betrieb. Es kann dann nur noch auf Basisprogramme zurückgreifen. Diese Basisprogramme stammen aus grauer Vorzeit – und wir können sie heute noch (nicht nur) bei Tieren beobachten können. Es handelt sich um die Strategien Flucht, Sich-Tot-Stellen oder Angriff. Auch wenn es sich um 100% natürliche Verhaltensweisen handelt, so sind sie doch allesamt in der Regel nicht besonders hilfreich.

Wie ziehen uns zurück, stecken den Kopf in den Sand oder wir werden krank. Gerne schweigen wir Konflikte auch tot und tun so, als wären sie nicht da. Oder wir gehen zum Angriff über, werden wütend und aggressiv. Manchmal arbeiten wir auch "hinten herum" indem wir versuchen die andere Partei zu blockieren, zu sabotieren oder sie bei anderen schlecht zu machen.

Wir wissen eigentlich genau, dass diese Methoden nicht die richtigen sind. Uns ist klar, dass ein Konflikt nicht aus der Welt ist, nur weil wir ihn ignorieren. Im Gegenteil. Er schwelt weiter und bricht irgend wann unvermittelt und vielleicht noch heftiger plötzlich wieder auf. Das können wir immer wieder beobachten und erleben. An uns selbst und an anderen. Eigentlich sollten uns diese Erfahrungen deutlich machen, dass Aggression eher dazu führt, dass Konflikte erst recht eskalieren.

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Was ist eigentlich ein Konflikt?

Um uns genauer anzusehen, wie wir sinnvoll mit Konflikten umgehen können, ist es hilfreich sich zu überlegen, was ein Konflikt eigentlich ist.

Eine aus meiner Sicht hilfreiche Definition sagt, dass ein Konflikt dann vorliegt, wenn Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen von Menschen miteinander unvereinbar sind – oder unvereinbar scheinen.

Diese Definition ist sehr einfach. Und völlig gewaltfrei. Hier wird nicht gekämpft oder geschrien. Es geht einfach um Bedürfnisse.

Die haben wir alle. Das verbindet uns - auch im Konflikt.

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Schritt für Schritt

Wenn wir also in einen Konflikt geraten, sollten wir uns nicht fragen: "Wie kann ich gewinnen?" sondern: "Welches Bedürfnis ist betroffen?" Mit anderen Worten: "Um was geht es mir eigentlich?"

Oft erscheinen uns unsere Bedürfnisse auch nur unvereinbar. Das geschieht insbesondere dann, wenn wir uns vorschnell Vorstellungen über die Motive, Bedürfnisse, Interessen und Erwartungen der anderen machen. Deswegen sollten wir uns als nächstes fragen: "Welche Bedürfnisse der anderen könnten betroffen sein?"

Die dritte Frage lautet: "Widersprechen sich diese Bedürfnisse und Erwartungen?"

Falls nein, erscheint eine Lösung oft bald erreichbar.

Falls ja, müssen wir in einem vierten Schritt mit dem Konfliktmanagement beginnen. Wir müssen verhandeln oder andere Wege der Konfliktlösung beschreiten. Nicht immer kommen wir allein zu einer Lösung. In diesen Fällen könnten wir uns an eine neutrale Instanz wenden. Das können Vorgesetzte sein. Oder auch Anwälte, Richter oder auch Mediatoren , die uns mit ihrer Fachkompetenz bei der Lösung unseres Konfliktes helfen.

Das klingt sehr einfach. Wir folgen diesem Schema aber in Wahrheit nicht, sondern wir überspringen die Schritte 1-3 und beginnen mit dem vierten Schritt, also dem, was wir für Konfliktmanagement halten: Einen Kampf um Sieg oder Niederlage. Unsere Bedürfnisse und die Frage, ob sie vielleicht auch auf andere Weise erfüllt werden können, beachten wir gar nicht. Und wenn wir die eigenen Bedürfnisse schon nicht beachten, so gilt das umso mehr für die Bedürfnisse der Gegenseite.

Mit den bekannten Folgen.

Hier noch einmal die Schritte, die ich Ihnen statt dessen ans Herz legen möchte, wenn Sie in einen Konflikt geraten:

  1. Warum will ich das eigentlich (nicht)? Wenn Sie das herausgefunden haben, ist schon viel erreicht. Noch besser ist es, wenn Sie das, was Sie wirklich wollen, zum Ausdruck bringen können.
  2. Fragen die anderen Partei nach deren Interessen, Motiven und Bedürfnissen.
  3. Prüfen Sie, ob das, was Sie beide - im Grunde - wirklich wollen, sich widerspricht?
  4. Falls ja, versuchen Sie die Beweggründe der Gegenseite zu verstehen und werben Sie dann um Verständnis für ihre eigenen.
  5. Zeigen Sie, dass Sie die Interessen der anderen Partei würdigen.
  6. Sprechen Sie weiter miteinander und bemühen Sie sich um einen Lösung.
  7. Falls Ihnen das nicht gelingt, gestehen Sie sich das ein.
  8. Holen Sie dann Hilfe von außen.

 

München 2017

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