Konflikte verstehen

Konflikte sind unbeliebt!

Konflikte sind eher unbeliebt. Das mag daran liegen, dass wir sie in erster Linie mit vielem verbinden, das wir als unangenehm wahrnehmen: heftige negative Emotionen, Vorwürfen, Wut, Ärger, Streit und Frustration. Wir befürchten auch, dass Konflikte unsere Beziehungen beeinträchtigen oder beschädigen können. Deswegen neigen wir dazu, Konflikte eher zu vermeiden. Das geht manchmal gut und die Sache kommt von alleine wieder ins Lot. Aber leider klappt das nicht immer. Und das Dumme dabei ist, dass Konflikte oft schlimmer werden, je mehr wir versuchen sie zu ignorieren.

 

Konflikte sind normal!

Konflikte verstehen heißt auch Konflikte akzeptieren. Wir müssen lernen, mit ihnen umzugehen anstatt uns vor ihnen zu verstecken und ihnen auszuweichen.

 

Wie kommt es zu Konflikten?

Eine häufige Ursache von Konflikten sind unerfüllte Bedürfnisse und Erwartungen. Wir haben andere Vorstellungen von einer Situation, einem Plan, von anderen Menschen und ihrem Verhalten usw. Wir wollen, dass sich etwas ändert... und stoßen auf Widerstand. Oder umgekehrt: Jemand erwartet von uns ein anderes Verhalten. Und wir sind nicht bereit - oder noch nicht bereit - oder so nicht bereit, es zu ändern. Und schon sind wir im Konflikt.

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Wie reagieren wir meistens in Konflikten?

Wenn wir unvorbereitet in Konflikte geraden, greifen wir meistens auf die Basisprogramme zurück, die uns die Natur mitgeben hat, auf unsere Instinkte. Wie die Tiere haben dabei drei Optionen: angreifen, weglaufen oder tot stellen. Wir handeln also in der Regel nicht planvoll und vernünftig, sondern affektgesteuert. Das ist völlig normal. Wir müssen uns allerdings darüber im Klaren sein, dass wir jetzt nicht mehr die volle Kontrolle darüber haben, was wir sagen oder tun. Denn die Instinkte lenken uns jetzt.

 

Was übersehen wir oft in Konflikten?

Flucht, Angriff oder Erstarrung sind nur drei Optionen. Es gibt drei weitere Optionen, die uns aber nur dann einfallen, wenn der Konflikt uns nicht schon voll in seiner Gewalt hat. Diese Optionen heißen: Delegation, Kompromiss und Konsens. Bei der Delegation fragen wir einen Dritten um Rat, vielleicht bitten wir auch um eine Entscheidung. Das wäre etwa ein Richter, der ein Urteil fällt. Beim Kompromiss einigen wir uns auf eine Lösung, bei der beide Seiten auf etwas verzichten müssen. Noch besser ist ein Konsens, bei dem beide Seiten ihre Interessen verwirklichen können, ohne dass sie dazu etwas aufgeben müssen. Dieses Ziel verfolgt die Mediation. Und eine Erfolgsquote von ca. 80% zeigt, dass sie tatsächlich funktioniert.

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Mediation:
Von den Positionen zu Interessen!

Oft werden Konfliktlösungen dann möglich, wenn wir die Sichtweise der Gegenseite nachvollziehen können. Das geht in der Regel nicht, wenn harte Positionen aufeinanderprallen, und miteinander unvereinbare Forderungen die Spirale der Eskalation immer weiter anheizen. Wenn beide Seiten diesem Muster folgen, wird es schwer bis unmöglich sich zu einigen.

Eigentlich wäre es klüger, auf die hinter den Positionen liegenden Interessen zu achten: Was steckt eigentlich hinter der Forderung der anderen Seite? Was soll eigentlich erreicht werden? Warum ist es so wichtig, dass dieses oder jenes passiert? Was will sie wirklich? Die Interessen zu betrachten ist leichter gesagt als getan. Denn wir glauben oft, dass uns eine besonders harte und unverrückbare Haltung im Konflikt Vorteile verschafft. Und wir sind gerade im Konflikt nicht bereit, uns zu öffnen und über unsere Interessen und Bedürfnisse zu sprechen.

Denn dazu brauchen wir Sicherheit und Vertrauen. Manchmal gelingt es, eine solche Atmosphäre auch in einem Konflikt zu entwickeln. Aber je heftiger der Konflikt sich entwickelt und je misstrauischer die Parteien sich beäugen, desto schwieriger wird das.

Mediation ist ein Verfahren, das genau hier ansetzt. Der Mediator fungiert als unabhängiger, "allparteilicher" Dritter. Er vertritt keine Seite. Er muss auch nichts entscheiden. Er hilft vielmehr den Beteiligten dabei, eine für beide Seiten passende, nachhaltige und als befriedigend empfundene Lösung zu erarbeiten.

München, 2016

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